Wütende Kinder

Was Eltern bei Wutanfällen tun können

Wenn Kinder wütend werden, sind Eltern oft herausgefordert. Egal, ob es sich um ein Kleinkind zwischen eins und vier, also in der sogenannten Autonomiephase, handelt oder um ein älteres Kind, so ein Wutanfall kann uns ordentlich aus dem Konzept bringen. Doch was hilft wirklich im Umgang mit kindlicher Wut?

Bleiben Sie ruhig

Zunächst ist es wichtig, dass Eltern ruhig bleiben. Machen Sie sich klar, dass ein wütendes Kind Sie nicht absichtlich ärgern will! Selbst wenn es haut, tritt, beißt, spuckt oder verletzende Dinge sagt, ist dies ein Ausdruck seiner Verzweiflung und kein echtes Zeichen, dass es sie ablehnt. Als Eltern sollten wir uns also erst einmal selbst erden, atmen und versuchen, gelassen an die Sache zu gehen.

Kindern helfen, zu verstehen

Was Kinder jetzt brauchen ist jemand, der ihnen ihre eigenen Gefühle spiegelt und mit ihnen zusammen versucht, der Wut auf den Grund zu gehen. Gerade kleine Kinder haben oft noch gar keine Worte für das, was gerade in ihnen vorgeht. Es ist gut, wenn wir Eltern ihnen die Worte dafür geben. „Ich sehe, dass du dich ganz doll ärgerst“ oder „Du bist jetzt richtig wütend, weil der Carl dir das Auto weggenommen hat.“ Kinder lernen so nach und nach zu verstehen, was in ihnen vorgeht und es selbst zu benennen.

Wenn ein Kind es zulässt, ist es gut, in dieser Situation Körperkontakt herzustellen. Je nach Bedürfnis des Kindes kann dies eine feste Umarmung sein, vielleicht aber auch nur eine leichte Berührung am Arm oder Bein.

Es ist verständlich, dass Eltern wollen, dass so ein Wutanfall schnell zu Ende ist. Besonders wenn er in der Öffentlichkeit stattfindet, würden Eltern oft so ziemlich alles tun, um ihre wütenden Kinder schnellstmöglich zu beruhigen. Sätze wie: „Ich will nicht, dass du so rumbrüllst“ oder „Hör auf“ oder die Androhung von Strafen sind jedoch in solchen Situationen kontraproduktiv. Wütende Kinder haben in ihrem Gehirn einen Notfallprogramm aktiviert, dass sie unempfänglich für unsere Logik macht.

Machen Sie sich frei von Druck

Besser ist es, wenn Eltern sich selbst von dem Druck freimachen, die Situation schnellstmöglich entschärfen zu müssen. Kindliche Wut will gelebt werden und ist kein Ausdruck von Bosheit und auch kein Grund, sich sorgen zu machen. Die Aufgabe der Eltern besteht in solchen Momenten eher darin, aufzupassen, dass das Kind weder anderen, noch sich selbst Schaden zufügt.

Kinder lernen so, dass es Grenzen gibt, die sie auch bei Wutanfällen nicht übertreten dürfen. Wichtig ist hierbei, dass Eltern ihnen Alternativen zeigen, wie sie ihre Wut ausleben können. Das kann, wenn das Kind dafür empfänglich ist, während der akuten Wut sein. Oft ist es aber sinnvoller, die Situation hinterher mit dem Kind nachzubesprechen, um dann gemeinsam nach Alternativen zu suchen.

Manchen Kindern helfen Wutgegenstände, wie Wutkissen oder unkaputtbare Gegenstände, die herumgeworfen werden dürfen. Andere Kinder können lernen, ihre Wut laut herauszubrüllen, ohne dabei Dinge zu sagen, die anderen wehtun.

Wut ist ein erlaubtes Gefühl

Es ist gar nicht so wichtig, welchen Weg Eltern und Kinder für sich finden. Es kommt vor allen Dingen darauf an, dass Kinder lernen, dass Wut ein erlaubtes Gefühl ist. Denn Wütend sein ist, wenn man einen guten Umgang damit gelernt hat, ein sehr nützliches Gefühl. Es macht Menschen sensibel für eigene Grenzen, für Dinge, die ihnen wichtig sind und Wut kann auch beflügeln.

Doch warum tun wir Eltern uns mit der Wut unserer Kinder so schwer? Weil sie uns oft einen Spiegel vorhält. Manchmal konfrontiert uns der Zorn unserer Kinder mit eigenen Gefühlen, die wir vorher nicht gut wahrgenommen haben. Gerade in Stressphasen kann es auch sein, dass schwierige Situationen mit unseren Kindern uns in alte, eigene Erziehungsmuster zurückfallen lassen. Wenn die Erwachsenen, die uns früher begleitet haben, nicht gut mit unseren starken Emotionen umgehen konnten, kann uns das in solchen Situationen einholen und ohne es zu wollen, reagieren wir ähnlich, wie wir es früher erlebt haben.

Schützen Sie sich selbst

Manchmal müssen wir Großen uns deshalb ein bisschen schützen. Wenn wir merken, dass uns eine solche Situation gerade zu stark fordert, ist es gut, kurz den Raum zu verlassen und uns selbst zu regulieren. Wenn es geht, können wir kurz selbst in ein Kissen brüllen. Kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen, hilft auch oder kurz am offenen Fenster oder der offenen Tür frische Luft schnappen. Danach können wir oft wieder besonnener reagieren.

Liebevolle Begleitung hilft in solchen Situationen und sorgt langfristig dafür, dass Wutanfälle für uns und unsere Kinder einfacher werden. Es lohnt sich also.


Sie haben Fragen oder brauchen Unterstützung?

Wenden Sie sich an mich und vereinbaren Sie einen Termin für eine Elternberatung.

Schreiben Sie mir (mail@familienberatung-albert.de) oder
rufen Sie mich an: 05605 8791945