Mein Kind will nicht teilen

Was Eltern tun können

Das kann ganz schön peinlich werden. Gerade hat man ein anderes Kind aus der Spielegruppe mit Elternteil zu sich nach Hause eingeladen und das eigene Kind beginnt, seine Habseligkeiten zu verteidigen, als sei eine fremde Armee eingefallen. Weder das Spielzeug, noch der Kinderstuhl und schon gar nicht das Kuscheltier dürfen von dem Gastkind angefasst werden. Unser eigenes Kind macht es sehr deutlich – es ist nicht bereit, was seins ist zu teilen.

Viele Eltern fragen sich in solchen Situationen, ob etwas mit ihrem Kind nicht in Ordnung ist. Doch es handelt sich nur um eine ganz normale kindliche Entwicklungsphase. Hier kommt wieder der kleine Steinzeitmensch in unseren Kindern zum Vorschein. Nicht hergeben, was einem selbst gehört, war menschheitsgeschichtlich lange Zeit eine sehr gute Entscheidung, wenn man überleben wollte.

Die Kindersterblichkeit war in den meisten Zeitaltern der Menschheit sehr hoch und Güter verteidigen gehört zum eingebauten Überlebenssystem. Unsere Kinder haben den Wunsch, nicht mit anderen zu teilen, also mit auf die Welt gebracht.

Für uns Erwachsene ist es manchmal schwer zu verstehen, warum Kinder an Sandschaufeln, Spielzeugautos oder anderen Dingen (die sie davor oft kaum beachtet haben) so sehr hängen, dass sie sie mit allen Mitteln verteidigen. Es erscheint uns wie eine Kleinigkeit, einem anderen Kind etwas abzugeben.

Doch bei genauerem Hinsehen können wir erkennen, dass wir selbst nicht so viel besser sind. Die meisten von uns würden Dinge, an denen sie hängen, auch nicht so gern hergeben. Wir sind ja auch nicht gerade spendabel mit unseren Smartphones, unseren Autos oder unseren Häusern. Für unsere Kinder haben ihre Besitztümer genau denselben Wert wie für uns die teuren Gegenstände, die ich gerade aufgezählt habe. Wenn wir es aus dem Blickwinkel betrachten, ist es vielleicht etwas verständlicher, dass sie nicht teilen wollen.

Kinder beginnen irgendwann, freiwillig zu teilen

Anderseits möchten wir Eltern natürlich nicht, dass unser Kind woanders schlecht dasteht, als unsozial gilt oder gar gemieden wird. Es liegt daher nahe, dass wir versuchen, unsere Kinder mit allen Mitteln dazu zu bringen, seine Sachen zu teilen. Mittelfristig ist dies jedoch kontraproduktiv. Langzeitexperimente haben ergeben, dass Kinder die irgendwann aus freien Stücken mit dem Teilen beginnen, sich später großzügiger entwickeln, als Kinder, die dazu mit Strafen gezwungen oder über Belohnungen angeregt wurden. Es macht also – wie bei so vielen Dingen – Sinn, der kindlichen Entwicklung ihren Lauf zu lassen.

Allerdings haben wir meistens natürlich noch einen anderen Faktor, den wir bedenken müssen – das andere Kind, das sich gerade nichts mehr wünscht, als das Spielzeug unseres Kindes zu bekommen. Mit etwas älteren Kindern, ab etwa drei Jahren aufwärts, kann man vor einem Spielbesuch besprechen, welches Spielzeug tabu ist und was vielleicht von anderen Kindern auch mal angefasst werden kann und entsprechend nur das bereit stellen. Allerdings bietet das keine Garantie, dass es dann auch funktioniert.

Neutrales Spielzeug kann helfen

Es kann gut funktionieren, aber es kann genauso sein, dass das unser Kind in der konkreten Situation dann doch von Gefühlen überwältigt wird und nicht gut abgeben kann. Eine gute Möglichkeit ist, für solche Fälle neutrales Spielzeug zu haben. Vielleicht sind das alte Spielsachen von älteren Geschwistern, die noch nicht an das kleine Kind weitergegeben wurden oder aber wir als Eltern legen uns ein paar Sachen bereit, die „uns“ gehören und die wir dann mit den Besuchskindern teilen.

Wenn wir wissen, dass unser Kind sich gerade besonders schwer tut, seine Sachen abzugeben, ist es außerdem hilfreich, Eltern von potentiellen Gastkindern darauf hinzuweisen und sie zu bitten, ein bisschen Spielzeug für ihr Kind mitzubringen. Das muss niemandem unangenehm sein, denn mit großer Wahrscheinlichkeit haben auch andere Eltern dies schon erlebt und kennen das Problem.

Richtig teilen lernen Kinder ab dem Grundschulalter

Richtig gut im Teilen werden Kinder übrigens erst in etwa ab dem Grundschulalter, dann sind ihre sozialen Fähigkeiten soweit ausgeprägt, dass sie Spaß daran bekommen, anderen etwas abzugeben. Es ist also ein Thema, das uns als Eltern lange begleitet – aber mit dem nötigen Hintergrundwissen können wir es gelassen angehen und den Dingen ihren Lauf lassen. Nicht zuletzt dürfen wir uns auch hier wieder unserer Vorbildfunktion bewusst sein – wenn wir gern und freigiebig abgeben, lernen unsere Kinder das als natürlichen Teil des Lebens kennen. Wenn wir uns selbst eher schwer tun, dürfen wir auch unseren Kindern zugestehen, dass sie eher zögerlich sind, wenn es um ihr Eigentum geht.


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